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Aku [userpic]
Original: Paperasse
by Aku (der_jemand)
at 16. Dezember 2011 (20:31)
creative

Stimmung: creative
Musik: Bowling for Soup - A Friendly Good-Bye

Fandom: Original [NaNo '09]
Charaktere: ZQ31, Succubus, H. Samuel Preston, Juliet McGallagor
Wörter: 1337
Widmung: Für die wunderbare, unvergleichliche nyx_chan. Happy Birthday! ♥
Summary: ZQ31 muss eine Urlaubsvertretung machen und Sam muss Experimentalphysikern Asyl gewähren.


"Wo zur Hölle ist mein Laborbuch?"

Juliet sah nicht einmal von ihrem Bildschirm auf, als sie in Richtung Kaffeeküche zeigte. "Im Kühlschrank."

"Wieso... Was macht es im Kühlschrank?" Hyung klang angemessen verwirrt, aber Juliet zuckte nur mit den Achseln.

"Was weiß ich, du hast es doch da reingelegt."

"Oh." Hyung starrte eine Weile geistesabwesend aus dem kleinen Fenster, während Juliets Finger weiter in beeindruckender Geschwindigkeit über die Tastatur flogen. "Ich hab wohl nen größeres Schlafdefizit als gedacht", murmelte er schließlich. "Danke, Jules. Weißt du zufällig auch wo mein Jogurt hin ist?"

"Den hat Lucas gegessen."

"Was? - Lucaaaaaas!" Mit etwas, das verdächtig an einen Kampfschrei erinnerte, stürmte Hyung aus dem Büro und den Flur runter. Celiné kicherte.

Sam hingegen starrte die junge Frau, die irritierenderweise seit einer Woche auf der anderen Seite seines Schreibtisches saß, verwirrt an. Juliet, sie hieß Juliet, wie das neongrüne Post It an seinem Bildschirm ihn informierte. Sie hatte sogar einen zwinkernden Smiley darauf gemalt.

Hochgradig irritierend.

Natürlich hatte er sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, arme obdachlose Experimentalphysiker aufzunehmen. Zum einen, weil es Experimentalphysiker waren und wichtiger noch, weil er endlich, endlich ein eigenes Büro ganz für ihn alleine hatte.

Professor Miller hatte dieses Argument hochgradig pragmatisch umgangen und ihm ihre neue Doktorandin Celiné ins Büro gesetzt. Und zwei Tage später waren Juliet und Rajesh mit einem Whiteboard, bunten Markern, Post Its und einem penetranten Aceton-Geruch eingezogen. Kein Wunder, dass die Abzüge in ihrem alten Gebäude versagt und die Anorganiker versucht hatten, sie zu vergiften.

Eine Woche später waren Celiné und Rajesh und ihre seltsamen Akzente einfach da. Nur Juliet und ihre Smileys und ihr viel zu breites Lächeln und ihre Fähigkeit, einfach alles zu finden, irritierten ihn noch immer.

Sie hatte an ihrem ersten Tag den Wälzer, den er vor zwei Jahren der Bibliothek hatte ersetzen müssen, aus dem Regal gezogen.
Professor Millers Brille hatte sie in der einzigen Topfpflanze des Lehrstuhls gefunden und dann hatte sie auch noch die Theoretische Kernphysik II-Klausur unter den Kaffeefiltern entdeckt und das war doch wirklich nur noch unfair.

Sam war, bei allem wissenschaftlich fundierten Unglauben, davon überzeugt, dass sie eine Hexe war oder einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte oder so. Allerdings schien er der einzige, der da irgendwelche Bedenken oder Skrupel hatte. Celiné fragte, wo der Fehler in ihrer Rechnung war (und sogar den fand sie, obwohl sie Experimentalphysikerin war, wenn das kein Zeichen für Hexenwerk war...), und Professor Miller, selig wiedervereint mit seiner Brille, erzählte ihr die Geschichte von einer niederen Göttin names Paperasse oder so, die für Bürochaos sorgte, und dass in jeder Generation ein Messias geboren wurde, der auch im rettungslosesten Chaos noch alles fand und so eines Tages die Menschheit retten würde. Juliet lachte und Sam fragte sich, ob er der einzige war, der noch nicht verrückt geworden war.

"Wo ist meine Kaffeetasse?"

"Unter dem Reviewartikel da. Links."

Sie strahlte ihn an und Sam versuchte sich an einem kleinen Lächeln, schließlich konnte ein Mensch, der ihm zu Kaffee verhalf, nicht von Grund auf böse sein.

"Wie machst du das?"

"Was?"

"Na, woher weißt du immer, wo Sachen sind?"

Sie lachte. "Ich bin der Messias, das hatten wir doch geklärt."



Wo war denn jetzt schon wieder diese verfluchte Akte? Ach, richtig, da, hinter dem Schreibtisch, eingeklemmt zwischen Heizung und dem Papierkorb. Weil das Sinn machte.

ZQ31 rutschte seufzend vom Stuhl, stieß sich den Kopf an der Tischkante und fischte den Aktenordner aus seinem Versteck. Er war angenehm warm und eigentlich war es hier unten gar nicht so unbequem...

"Dachtest du wirklich, du kannst dich unter dem Schreibtisch verstecken?"

Wie es sich herausstellte, war es ausgesprochen schwer, sich auf etwa einem Kubikmeter Raum, den man sich auch noch mit einem Papierkorb teilte, erschrocken herumzufahren. ZQ unterdrückte einen kleinen Schmerzensschrei, als er sich schon wieder den Kopf anstieß und kroch sehr unelegant rückwärts aus seinem Loch heraus. "Was willst du, Succi?"

"Nur sehen wie's dir geht, wenn ich schon mal hier bin."

Er sah zu ihr auf und sie lungerte im Türrahmen, mit vor der Brust verschränkten Armen und blutroten Locken, die sich leicht im Büro definitiv nicht wehenden Wind bewegten. Man sollte meinen, dass man sich an diesen Anblick gewöhnte, wenn man neben ihr wohnte und sie völlig gegen seinen Willen beschlossen hatte, seine beste Freundin zu sein, aber, nein, das vertraute Ziehen in seinem Unterleib meldete sich natürlich wieder. Sie lächelte, als ob sie das wüsste. Was wahrscheinlich der Fall war, es war schließlich ihr Job.

"Ernsthaft? Du versteckst dich unterm Tisch und nimmst dir Arbeit mit?" Sie zog eine Augenbraue hoch und seinen Magen schlug einen Salto.

"Nein, ich suche mir Arbeit unterm Tisch. Weil hier oben noch nicht genug ist." Frustriert ließ er den Ordner auf einen der meterhohen Papierstapel, die den Schreibtisch vollständig bedeckten, fallen. Irgendwo da drin war angeblich auch ein Computerbildschirm, aber er hatte ihn noch nicht gefunden. Na ja, er war ja auch erst zwei Tage hier.

"Es ist so ein... Chaos", murmelte er und Succis Lachen war gänzlich unladylike, ein bisschen schadenfroh und trotzdem unglaublich anziehend.

"Du bist hier in der Verwaltung der Götter des Chaos, was genau hast du erwartet?"

ZQ31 seufzte. "Aber wenn man das Chaos verwalten will, braucht man doch... Ordnung."

Succi drückte ihm einen Kuss auf die Wange. "Oh du niedlicher Kleingeist, wie bist du ausgerechnet die Urlaubsvertretung für Paperasse geworden?"

Er zuckte mit den Achseln. Natürlich wusste er genau, dass es daran gelegen hatte, dass Incubus in diesem Moment damit beschäftigt gewesen war, seinen Computer zu reparieren und unglaublich anzüglich auf seinem Kugelschreiber herumgekaut hatte, und er so nicht rechtzeitig hatte weglaufen können, aber er würde den Teufel tun und das Succi sagen.

Die beiden Nachtalben würden nochmal sein Grab sein. ...Wenn er nicht in Paperasses Unterlagen ersticken würde. Ernsthaft, eine Göttin für Bürochaos, wer brauchte bitte so etwas?



"He, Jules, hast du meine Testate irgendwo gesehen? Ich muss die noch korrigieren."

Juliet öffnete den Mund, schloss ihn wieder und wiederholte den Vorgang noch zweimal. "Ich hab keine Ahnung."

"Okay, danke."

Sam zog eine Augenbraue hoch. Na ja, die Experimentellen waren Freunde von Ausreißern nicht wahr? Außerdem war das ein Hinweis darauf, dass sie vielleicht doch nur ein Mensch war, das war gut.

Er wurde wirklich erst aufmerksam, als Celiné dieses eine Buch suchte und Juliet durch die Regale und dann durch die Schränke in der Kaffeeküche kroch, obwohl Sam das Buch auf der Fensterbank sehen konnte.

"Stimmt irgendwas nicht?", fragte er und verzog das Gesicht, weil das eine viel zu persönliche Frage war. Juliet drehte gedankenverloren den Kugelschreiber, nach dem sie seit einer Viertelstunde suchte, zwischen ihren Fingern, und zuckte mit den Achseln.

"Keine Ahnung, irgendwas ist heute komisch. Es ist alles so... chaotisch. Wo zur Hölle ist jetzt dieses Notizbuch?"

"Es liegt neben deiner Maus, da."

"Was soll es denn da?"

Sie verdrehte die Augen und fuhr sich durch die Haare. "Ich glaube, ich werd verrückt, Sam. Was leg ich das Buch denn dahin?"

Darauf wusste Sam nichts zu antworten. Prinzipiell fand er es ziemlich logisch, Notizbücher in Reichweite und auf Tischen aufzubewahren. Aber Juliet schien das wirklich ziemlich fertig zu machen. Sie wirkte ähnlich verplant wie sonst Hyung. Der bei genauerer Betrachtung heute auffallend selten gegen irgendwelche Türrahmen lief oder seinen Computerbildschirm (ja!) suchte.
Vielleicht hatte er einen Zauberspruch gefunden, mit dem er seine Verplantheit gegen Juliets Genialität hatte tauschen können.
Und vielleicht sollte Sam aufhören, die Buffy-Wiederholungen zu gucken.


Juliets Verwirrung hielt eine ganze Woche an. An einem Donnerstagmorgen, an dem eigentlich nichts besonderes war, war alles wieder beim Alten, Hyung suchte seinen Schreibtischstuhl und Juliet erklärte ihm, dass er auf dem Parkplatz vor dem Bürogebäude der Theologen stand.
Irgendwie beruhigte Sam das, es war gut zu wissen, dass die Hexe nicht Doktorand an seinem Lehrstuhl war, auch wenn seine wissenschaftliche Neugier immer noch penetrant nach einer Erklärung verlangte, an der keine Dämonen beteiligt waren.
Er würde nie erfahren, dass Juliets Verwirrung einen Tag nachdem die Göttin Paperasse aus ihrem Urlaub zurückkehrte und ZQ31 vor Wut schäumend aus ihrem Büro prügelte endete.

Comments

Posted by: nyx_chan (nyx_chan)
Posted at: 16. Dezember 2011 22:11 (UTC)
squee

EEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEPPP!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich- Mir- Das- Ich- ich- ich .... Ich liebe sie.
Ich liebe sie alle. Und ich liebe Paparasse, du geniales Wesen, wo biste darüber gestolpert oder haste es dir einfach gebastelt? Ich will sie in unserem Roman haben! *-*
Und: JULIET!
Und: SAM!
UND: ZQ!!
Oh Aku, ich will ein endloses Universum mit dir um all das spinnen und basteln und verfassen, damit wir uns wie fröhlich piepsende Welpen darin wälzen können und der Wahnsinn um sich schlägt.
Du hast mich hiermit sehr, sehr, sehr, sehr glücklich gemacht - DANKE!!! (Ich kriege wirklich keinen Konstruktiven Kommentar hin, weil ich mich freue und scheiß auf konstruktiv, es ist toll und ich liebe es und ich hab SOLCHEN SPASS BEI!!)
<3<3<3

Posted by: Aku (der_jemand)
Posted at: 17. Dezember 2011 10:53 (UTC)
drunk

*_________________________*
Ich liebe dich und deine Kommentare und es freut mich so so soooo, dass es dir gefällt! ♥

Oh Aku, ich will ein endloses Universum mit dir um all das spinnen und basteln und verfassen, damit wir uns wie fröhlich piepsende Welpen darin wälzen können und der Wahnsinn um sich schlägt.
OH JA, BITTE!!!! ♥ ♥ ♥
Und wir brauchen einen Titel, ich will einen 120_Minuten-Tag. *pfeif*

(Und Paperasse... ich glaube, ich verbringe in letzter Zeit zu viel Zeit am Lehrstuhl und an vor Papieren überquellenden Schreibtischen, ich bin davon überzeugt, dass es sie wirklich gibt und sich auf diesem Weg in mein Hirn gefressen hat.^^)

Aaaaaah, ich liebe dich. *umflausch*